Wilhelm Hofmann: Erinnerungen an die Schulzeit in Kocherstetten 

1951 - 1959

1. Welche Erinnerungen hast du an deine Schulzeit in Kocherstetten? 
Bei der Einschulung waren wir nur 6 Kinder, aus einfachen Verhältnissen, gut erzogen, folgsam und doch mit viel Angst vor der Schule. 

Wir waren 5 Jungen, 3 aus Kocherstetten (Kurt Kirchdörfer, Willi Ludwig, ich) und 2 aus Mäusdorf (Hermann Helwig und Manfred Schurg) und 1 Mädchen, Heide Baumann aus Kocherstetten (heute Rusam, Morsbach). Es gab keine Anfangsfeier, weder in der Kirche noch in der Schule, und es wurden keine Fotos gemacht. 

Wir waren keine eigene Klasse, sondern mit 2-3 Jahrgängen zusammengefasst. 

 

Von Klasse 1 bis 5 hatten wir 5 verschiedene Klassenlehrer und Herr Burgbacher war Schulleiter (bis 1954/55), ab Klasse 6 bis 8 war Herr Braun unser Klassenlehrer und Schulleiter. 

2. Woran denkst du gern zurück, woran denkst du nicht so gern zurück? 
Wir mussten gehorchen, sonst gab es vom Lehrer Tatzen und Schläge mit dem Rohrstock, oder weitere Strafen. Frau Pfizenmaier, unsere Lehrerin in der ersten Klasse, hatte lange, spitze Fingernägel, damit pfetzte sie uns Kinder öfters ins Ohrläppchen. Sie kontrollierte immer mal wieder, ob wir saubere Finger hatten. Wir Bauernkinder waren da im Nachteil, weil wir oft schon morgens vor der Schule für unsere Mütter Kartoffeln oder Rüben aus dem Keller holen mussten. Die Lehrerin nahm darauf keine Rücksicht und verteilte Tatzen, wenn unter den Fingernägeln noch ein bisschen Erde steckte.

Mich hat besonders berührt, dass es den auswärtigen Schülern nicht möglich war, zur Schule und zurück gefahren zu werden. Bei jedem Wetter mussten sie den weiten Weg ohne Begleitung zurücklegen, schon die Erstklässler!

 

Eine schöne Erinnerung und ein großes Ereignis war die Einweihung der nach dem Krieg neu aufgebauten Kocherbrücke. 

Viele Gäste kamen - auch von weither, sogar Innenminister von Württemberg war anwesend!  

Wir haben an der Brücke eine Linde gepflanzt, die auch heute noch dort steht.

3. Erinnerst du dich noch an deinen ersten Schultag? 
Mein erster Schultag war ganz normal. Es gab keine besonderen Dinge. 

Wir hatten alte Schulranzen aus Leder, die bekamen wir von älteren Geschwistern. Darin befanden sich eine Schiefertafel, ein Griffel und das Pausenbrot. Es war immer von der Mutter selbst gebackenes Brot, mit Wurst aus eigener Schlachtung, die war in Dosen oder Gläsern konserviert. Brezeln oder Brötchen vom Bäcker gab es nie, dazu reichte das Geld nicht. 

4. Wie war der Schulweg?
Der Schulweg war für mich ganz kurz, nur etwa 100 Meter, das war in Kocherstetten nicht ungewöhnlich. Wenn ich an die auswärtigen Schüler denke, die 2 oder mehr Kilometer weite Wege hatten! 

5. Wie viele Autos gab es in deinem Ort?
Mir ist nur ein einziges Auto bekannt, der Daimler-Benz von Erwin Einsele. Er war Metzger und Gastwirt in der Harmonie (dem heutigen Seniorenheim Alte Harmonie).

Später hatte auch Bürgermeister Dauner ein Auto, und so nach und nach wurden es mehr Autos.

6. Wo fand der Sportunterricht statt?
1951 und später gab es keinen Sportplatz und keine Sporthalle. An Sportunterricht kann ich mich kaum erinnern, vereinzelt wurden auf der Wiese am Kocher, unterhalb der heutigen Kläranlage und am Badeplatz Ballspiele gemacht. 

7. Hattest du viel Zeit zum Spielen? Was für Spiele hast du gern gespielt? 
Hattest du viel Spielzeug? Welches Spielzeug war dir das liebste? 

Zum Spielen blieb sehr wenig Zeit, wegen Hilfe auf dem Feld der Eltern und Arbeit bei Bauern.
Es gab nur einen einzigen Fußball in ganz Kocherstetten.
Am liebsten habe ich mit den anderen Kindern am alten Kocher gespielt: Faul-Ei, Verstecken oder Seilhüpfen.

8. Welche Pflichten hattest du in der Familie?
Ich musste die  Milch an der Sammelstelle bei Haus Mugele in der Haller Straße abgeben
und mich um unsere Tiere kümmern. Wir hatten Hühner, Enten und Ziegen zu füttern.

9. Was war in deiner Kindheit ganz anders als heute?
Der Zusammenhalt unter den Menschen war sehr gut, man kannte sich und man half sich gegenseitig.

10. Welche besonderen Ereignisse oder Bedingungen gab es in deiner Schulzeit, zum Beispiel Nachkriegszeit, Mondlandung, ... ? 

1954: Fussball WM, wir haben sie im Radio verfolgt


1958 Fussball-WM in Schweden: wir Kinder sind nach Künsbach gelaufen, dort gab es die Wirtschaft von Familie Mayer, die hatten den einzigen Fernseher zur damaligen Zeit.

11. Gibt es noch etwas, woran du dich besonders gern oder ungern erinnerst? 

- Immer sonntags kam der Eismann von Cafe Heigold aus Künzelsau ins Ort.

- Es gab ein großes Fest für Kinder hinter dem Gasthof Adler („Baders Grund“), dort gab es Schiffschaukeln, Sackhüpfen, …

-Meine Mutter hat Günther Ziehl angesprochen, ob sie mich als Lehrling einstellen. Er war als Gast bei uns mit den Jagdfreunden, da mein Vater Jagdbesitzer war. Da war ich sehr stolz, ich war 14 Jahre alt.

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