Teil 2: Zwei Weltkriege und großes Leid

erstes Foto der Schule1930.jpg

mit freundlicher Genehmigung des Kreisarchives,Ko-45.2.3

Das erste noch auffindbare Foto vom Schulhaus aus dem Jahr 1930!

Die Lehrerfamilie schaut aus den Fenstern der Lehrerwohnung, vor dem Schulhaus steht ein weiterer Lehrer mit seinem Hund.

Man muss schon genau hinschauen, um Unterschiede zur heutigen Zeit zu entdecken:

die Fenster sehen nicht viel anders aus als heute, aber die Umgebung schon…

ERINNERUNGEN VON MARIE SCHLIPF

Kocherstetten, 23.2.1911-31.12.2006

 

Meine Schulzeit

 

Ich wurde am 2. Mai 1917 in Kocherstetten eingeschult. Es war Krieg, kurze Zeit vorher ist Lehrer Wagner verstorben. Weil Krieg war, konnte kein Ersatz beschafft werden, Lehrer Egner musste auch bald danach einrücken. So musste der Pfarrer herhalten und alle sieben Klassen übernehmen. Da ging es manchmal turbulent zu. Wir Abc-Schützen wurden öfters von Mädchen der 7. Klasse betreut, ich kann mich noch gut an Elisabeth Merz, die Tochter des Pfarrers, und Emma Haas, die spätere Frau Jag, erinnern.

Ausgerüstet waren wir mit Schiefertafel, Griffelkasten und Fibel. Wir mussten    fleißig Buchstaben malen, die alte deutsche Schrift. Sütterlin kam erst später. Ob wir gleich oder später Rechenbuch und Singheft hatten, weiß ich nicht mehr, dazu kam dann noch ein Spruch- und Liederbuch für den Religionsunterricht. Für die Oberklasse kamen dann bald Aushilfslehrer, die öfters wechselten, bis 1918 wieder Herr Egner zurückkehrte.

In der 1.- 3. Klasse war Pfarrer Merz zuständig. Er hatte nicht sehr viel Autorität, war aber oft zornig, so dass wir auch Angst hatten. Manchmal muss ich mich wundern, dass wir überhaupt Lesen und Schreiben lernten. Etwa in der Mitte des 2. Schuljahres kam Herr Gräßle zu uns in die Unterklasse. Er galt als sehr streng, aber es war wohl nötig, um wieder Ordnung und Disziplin herzustellen. Denn damals musste in der Schule Stille herrschen, es durfte nicht geredet werden. Wenn man erwischt wurde, musste man gleich eine Seite abschreiben. Auch gab es viele Tatzen und bei den Buben Hosenspannen. Wenn da so ein armer Kerl war, der einfach nicht lernen konnte, dem ging es schlecht. Ich habe das oft als ungerecht empfunden. Die beiden Lehrer Egner und Gräßle waren dann über meine ganze Schulzeit in Kocherstetten.

Ob wir in der Unterklasse 1 - 3 schon mit Tinte und Feder geschrieben haben, weiß ich nicht mehr.

In der Oberklasse 4 - 7 hatten wir ein schönes dickes Lesebuch mit schönen Geschichten und auch Gedichten, von denen wir viele auswendig lernen mussten, dann hatten wir ein Realienbuch für Geschichte, Geographie und Naturkunde, außerdem einen Atlas und natürlich ein Rechenbuch. Auch mussten wir dann Lateinisch - unsere heutige Schrift - schreiben lernen. Wir hatten ein Schönschreibheft für Deutsch und Lateinisch, Diktatheft, Aufsatz- und Rechenheft. Auch einen Zeichenblock brauchten wir und ein Singbuch, denn Singstunde war mindestens einmal in der Woche, die Texte mussten wir alle auswendig lernen.

Religionsunterricht in den Klassen 4 - 7 hielt Pfarrer Merz im Winter in der Schule, im Sommer in der Kirche. Bei sehr schönem Wetter wurde auch öfters im Hof vor dem Pfarrhaus unter dem Nussbaum Unterricht gehalten. Pfarrer Merz kam meistens zu spät und in der Schule wurde es sehr laut, wir stellten Posten aus, damit es dann ruhig war, wenn er kam, aber manchmal hörte er doch noch den Krach, dann wurde er sehr zornig und es gab oft Ohrfeigen.

Auch sonst ging es nicht immer gerecht zu. Die größeren Bauern luden die Lehrer zu Metzelsuppe (Schlachtfest) und Vorsitz ein und deren Kinder hatten da den Nutzen davon.

Das kulturelle Leben im Ort hing weitgehend von Lehrern und vom Pfarrer ab. Die Lehrer mussten in der Kirche den Organistendienst übernehmen, den Gesangverein dirigieren und den Leichenchor. Lehrer Egner hat auch einige Male mit den älteren Schülern zu Weihnachten ein Märchen eingeübt, z.B. Schneewittchen, Dornröschen. Das wurde dann im Ochsenwirtssaal aufgeführt und da war der ganze Ort dabei.

Im Sommer machten wir auch öfters Lerngänge in die nähere Umgebung um an Ort und Stelle Natur- und Pflanzenkunde zu treiben. Bei den Lerngängen marschierten wir in Reih und Glied mit Marschgesang durchs Dorf.

Einmal im Jahr machten wir einen Tagesausflug. So waren wir in Ingelfingen, in Langenburg und Waldenburg, hinzu‘s mussten wir laufen, heimzu‘s wurden wir mit Pferden und Leiterwagen abgeholt. Nach Waldenburg durften wir mit dem Zug fahren, das waren schöne und große Erlebnisse.

 

Geschrieben von Marie Schlipf
im  Frühjahr 1993

Besuch der Volksschule Kocherstetten  von 1917 bis 1924

Aufnahme aus dem Jahre 1921

Else Jakesch

 

Geburtsjahr: 1930
Einschulungsjahr: 1936
Wohnort in der Schulzeit: Kocherstetten
Schulzeit: Unterklasse (1.-4. Klasse)

                 und Oberklasse (5.-7. Klasse)

Unterklasse 1936 - Else Jakesch als Erstklässlerin, 3.Reihe von unten, mit weißem Kragen

Oberklasse 1936

Schon in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde für das Kochertal als Ziel für Wochenend- oder Urlaubsreisen geworben, auf diesem Prospekt mit dem schönen Gemälde von Kocherstetten mit Brücke, Häusern, Kirche und Schloss Stetten

LORE KIRCHDÖRFER, geb. Dauner

Kocherstetten, Schulzeit von 1944 bis 1951

Lore und Erich Kirchdörfer 2005 auf dem Dorffest in Mäusdorf
(aus Festschrift Mäusdorf, Heiner Werner)

Geboren: 07.09.1932

Einschulungsjahr: 1939

Wohnort in der Schulzeit: Vogelsberg

Geboren: November 1932

Einschulungsjahr: 1939

Wohnort in der Schulzeit: Mäusdorf

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