Heiner Werner, Mäusdorf:
Erinnerungen an unseren Schulweg nach Kocherstetten

Besuch der Volksschule Kocherstetten von 1953 bis 1957

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Dieses Klassenbild aus dem Jahre 1948 illustriert gewissermaßen die Schulwege der Schulkinder in Kocherstetten: Sandalen trugen jene mit kurzen, guten Wegen durch das Dorf, Nagelschuhe die Bauernbuben von den Weilern auf der Höhe. Eine Ausnahme bildet hier Wolfgang v. Stetten, der nach eigenem Bekunden an warmen Tagen gerne barfuß vom Schloss herunter zur Schule lief.

Die Kügelhofer, Mäusdorfer und Vogelsberger Schulkinder hatten alle einen etwa gleich langen Schulweg von ca. 2 – 3 km. Schulbusse gab es in den 1950 er und 1960 er Jahren natürlich noch nicht. Und so kamen sie mitunter auch durchnässt in der Schule oder zu Hause an. Unsere Lehrerin Frau Botsch ermöglichte uns, die nassen Schuhe auszuziehen, mit Zeitungspapier auszustopfen und am Ofen des Klassenraums zu trocknen.

Ich erinnere mich, dass die Winter damals noch mit vielen Schneetagen verbunden waren, die auch den Straßenverkehr für Tage zum Erliegen brachten. Da schlossen sich die Mäusdorfer Schüler mit ihren Schlitten gerne zusammen für die gemeinsame, rasante Fahrt auf der Gemeindeverbindungsstraße nach Kocherstetten. Einer saß vorne aufrecht und musste den Konvoi lenken, während die anderen bäuchlings sich an den Schlitten des Vordermannes hängten…

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Vom Bau dieser Straße in den Jahren 1927/28 gibt es dieses kostbare Foto. Es ist dort entstanden, wo der alte Fußweg im Zickzack den Hang hinab durch die Klinge des Heiligenbaches über einen waghalsigen Steg führte, hinauf zum Leopoldsbrunnen, der mit einer Deichelrinne jahrhundertelang die Burgbewohner mit Trinkwasser versorgt hat. Wie viele leibeigenen Bauern Mäusdorfs  diesen Weg wohl für den Bau der Burg vor mehr als 900 Jahren gehen mussten, im Burggraben Steine brechen und den Tretradkran in Gang halten! Der Fotograf dieses Bildes mag auf der Treppe gestanden haben, die jetzt mehr und mehr verfällt und damals Teil des Schulweges für die Kinder aus dem Dorfkern Mäusdorfs gewesen ist. Wer an dieser Straße mitgebaut hat, wollte natürlich, dass seine Kinder sie als Schulweg nutzen. Die Kinder der „Kuhbauern“ vom westlichen, kleinbäuerlichen Teil Mäusdorfs nahmen gerne die kürzere Totensteige nach Kocherstetten. Sie ist noch heute ein schöner Wanderweg.

 

Auf dem Nachhauseweg haben wir uns oft „vertrödelt“, haben Umwege genommen, etwa über Schloss Stetten oder entlang des Waldrandes unter der Burg oder entlang des Heiligenbaches, der damals noch Flusskrebse in den Gumpen unterhalb der Geröllfänge beherbergte, bis die ungeklärten Abwässer Mäusdorfs und seiner weithin bekannten Molkerei ihnen den Lebensraum nahmen. Wir wussten auch, wo zur Erntezeit die schmackhaftesten Äpfel und Birnen wuchsen…

Der Heimweg führte in der Zeit des Heumachens auch an den Bergwiesen vorbei, wo z.B. Hans Bauer und sein Vater Johann ihren „Bauersberg“ mähten. Die dortigen Wiesenblumen durften damals noch ausblühen und ihren Samen verstreuen. Was nach dem Abladen des Heus im Wagen zurückblieb, wurde als Heublumentee gerne verwendet.

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Dieses überaus würzig duftende Bergheu hat dann im Winter ihre Kühe ernährt und zum Geschmack der Produkte der Molkerei beigetragen.

In Mäusdorf war in den 1950er Jahren im Hause Baudermann auch eine Zeitlang der Polizist Reiter stationiert. Er war eines Nachmittags mit seinem Motorrad auf der neuen Straße nach Kocherstetten unterwegs und wäre um Haaresbreite von einem Stein so groß wie ein Menschenkopf getroffen und von der Straße gefegt worden, den wir Lausbuben über eine lange Bergwiese zu Tal springend kullern ließen. Ein mächtiges Donnerwetter unserer Väter war am Abend die Folge. Wir hatten wirklich großes Glück gehabt, denn wir hätten unsere Väter hinter Gitter bringen können…

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Ein Klassenbild des Jahrgangs 1947/48.

Vorne v.l.n.r.: Eveline Einsele, Gerlinde Häffner, Irene Binas, Ilse Truckenmüller, Edith Bader, Hildegard Schurg, Ulla Gawron
In der Mitte v.l.n.r.: Klaus und Gerhard Ohr, Karl Kern, Günther Erb
Hinten v.l.n.r.: Zürich Prentl, Manfred Weinmann, Gerhard Wex, Willi Reiter

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Wir drei: vorne Heiner und Alfred,
oben Hermann, aufgenommen 1957

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Heimatkundler Heiner Werner hat 2 Bücher anlässlich der 700 Jahrfeier Mäusdorf verfasst und dankenswerter Weise der GS Kocherstetten alle gewünschten Materialien daraus zur Verfügung gestellt.

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